{"id":298,"date":"2012-03-03T10:37:47","date_gmt":"2012-03-03T10:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.anneschuessler.com\/?p=298"},"modified":"2012-03-03T10:37:49","modified_gmt":"2012-03-03T10:37:49","slug":"deutschlandweite-riesling-blindverkostung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/?p=298","title":{"rendered":"Deutschlandweite Riesling-Blindverkostung"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Voll\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1034_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Ich war bei einer deutschlandweiten Riesling-Blindverkostung der Slow Food Organisation. Erstens habe ich sowas noch nie gemacht und zweitens klang es schon in der Beschreibung sehr interessant. Deutschlandweit am gleichen Abend, und die Ergebnisse werden dann \u00fcbers Internet gesammelt und verglichen. Da bin ich doch dabei.<\/p>\n<p>Am 29.2. machte ich mich dann auf ins Frankfurter Nordend. Vorher noch schnell sechs Weingl\u00e4ser kaufen, die hatte ich n\u00e4mlich nicht. Jacques&#8216; Wein-Depot hat dagegen Sechsersets mit den genormten Probiergl\u00e4sern f\u00fcr 12 Euro, also noch schnell einen Abstecher dahin, Gl\u00e4ser kaufen und weiter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Jacques\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1015_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>In der <a href=\"http:\/\/www.vinoresca.com\/\">Vinoresca Weinboutique<\/a>&nbsp;ist schon alles aufgebaut, eng stehen die St\u00fchle am Tisch nebeneinander, denn so gro\u00df ist es hier nicht, an jedem Platz liegen schon Papier zum Schreiben, Sterne zum Weinglasmarkieren und Punkte zum Kleben. Au\u00dferdem Wasser (nie verkehrt).<\/p>\n<p>Ich bringe meinen Mantel und die Tasche weg, dann sp\u00fcle ich noch schnell die fabrikneuen Gl\u00e4ser durch und dann setze mich einfach mal irgendwo hin und bastele die Sternchen an meine Gl\u00e4ser.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Kerzen\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1022_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Blumen\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1020_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Wein\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1084_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Mehr Wein\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1085_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1085.jpg\"><\/a><\/p>\n<p>So langsam trudeln auch die letzten Teilnehmer ein. Siebzehn sind es insgesamt und vom Gef\u00fchl her w\u00fcrde ich behaupten, lediglich vier davon (einschlie\u00dflich mir) haben nicht direkt was mit dem Slow-Food-Verein oder der Weinboutique zu tun.<\/p>\n<p>Alle packen ihre Gl\u00e4ser aus, so dass zum Schluss gute hundert Weingl\u00e4ser auf dem Tisch stehen. Und w\u00e4hrend noch Neuigkeiten ausgetauscht werden und gepr\u00fcft wird, ob jetzt wirklich alle da sind, werden die Weinflaschen schon mal pr\u00e4pariert. Es ist schlie\u00dflich eine Blindverkostung. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Material I\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1017_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Gl\u00e4ser\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1025_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Uhren\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1023_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>An den Uhren steht&nbsp;im \u00dcbrigen nicht&nbsp;Berlin, New York&nbsp;oder Tokyo, sondern Napa Valley, Mendoza, Rheingau und Hunter Valley, damit man auch immer wei\u00df, ob die Winzer wach sind oder nicht. Mit einer kleinen Versp\u00e4tung geht es um 19:45 los, es wird noch mal der Verlauf des Abends erkl\u00e4rt. Die Weine sind farblich gekennzeichnet, die Etiketten h\u00fcbsch mit Paketklebeband abgeklebt und wer an der Flasche erkennt, wo der Wein her ist, der soll bittesch\u00f6n den Mund halten und nichts verraten. Zu jedem Wein sollen wir uns ein Wort einfallen lassen, das den Wein beschreibt und jeder hat 6 Punkte zum Verteilen. Ob man einem Wein sechs Punkte gibt oder allen sechs je einen (&ldquo;Wenn jetzt alle gleich schlecht sind&rdquo;, wird gescherzt), oder irgendwas dazwischen, darf jeder selbst entscheiden.<\/p>\n<p>Es gibt einen Einstiegsaperitif, den man weder beschreiben noch bepunkten braucht. Und dann geht&#8217;s aber wirklich los.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Einleitung\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1030_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Sekt\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1031_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Weinflaschen werden rumgereicht, mal linksrum, mal rechtsrum. Bei siebzehn Leuten muss dann auch jeweils direkt eine zweite Flasche von jeder Farbe rausgeholt werden und es gibt immer wieder ein bisschen Verwirrung, welcher Wein jetzt zu welchem Stern geh\u00f6rt (gelb zu orange, rot zu rosa und schwarz zu grau).<\/p>\n<p>Ich schnuppere direkt mal testweise. Bei ein paar Weinen rieche ich schon was, andere bleiben tendenziell geruchsneutral und ich ahne, das wird schwieriger als ich dachte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Eingie\u00dfen I\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1032_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Eingie\u00dfen II\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1033_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Z\u00f6gernd mache ich die ersten Versuche, assoziativ t\u00e4tig zu werden. Der wei\u00dfe Wein riecht nach nichts und schmeckt irgendwie auch nach nichts. Ich schreibe &ldquo;neutral&rdquo; hin, was soll man dazu sonst auch sagen? Er schmeckt ja noch nicht mal schlecht, nur eben irgendwie nach nichts.<\/p>\n<p>Nebenbei gehen die Diskussion los. Zu dem gr\u00fcnen Wein, der tats\u00e4chlich einen sehr auff\u00e4lligen Geruch hat, f\u00e4llt auf einmal das Wort &ldquo;Katzenpisse&rdquo; und wenn man das einmal geh\u00f6rt hat, kriegt man es schwer wieder aus dem Kopf. Tats\u00e4chlich riecht der Wein irgendwie grasig, neben mir assoziiert man &ldquo;Gr\u00fcntee&rdquo;. Ich entscheide mich schlussendlich f\u00fcr &ldquo;Grapefruit&rdquo;.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Essen\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1037_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Tisch\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1041_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Zu Essen gibt es im \u00dcbrigen auch was. Im Raum nebenan ist ein kleines B\u00fcffet mit Brot, K\u00e4se, Wurst und einem gro\u00dfen Topf Suppe aufgebaut, das dann auch schnell gepl\u00fcndert wird. Zum einen wegen Hunger, zum anderen, weil man ja auch etwas zum neutralisieren braucht. Und, wie ebenfalls vorgeschlagen wird, man k\u00f6nnte ja auch die Weine in Kombination mit dem Essen probieren, und gucken, ob sie dann anders wirken.<\/p>\n<p>Bei mir tun sie das tats\u00e4chlich, aber auf eine wenig hilfreiche Art und Weise. Auf einmal schmecken Weine nach Wurst und K\u00e4se, was aber wohl weniger am Wein liegt als an dem, was ich vorher gegessen habe. Also immer sch\u00f6n mit Brot neutralisieren und gelegentlich mal nachschenken.<\/p>\n<p>So langsam kristallisieren sich bei mir die Kandidaten raus, denen ich Punkte geben werde. Der wei\u00dfe, gelbe und blaue Wein fallen raus. Nicht, weil sie schlecht w\u00e4ren, sondern, weil sie schlichtweg irgendwie alle gleich nichtssagend schmecken. Der blaue Wein scheint aber bei anderen Mitverkostern sehr gut anzukommen, meine Assoziation ist &ldquo;Wei\u00dfwein&rdquo;. Sieht aus wie ein Wei\u00dfwein, schmeckt wie ein Wei\u00dfwein, riecht wie ein Wei\u00dfwein. Nicht besonders aussagekr\u00e4ftig, aber was soll man machen.<\/p>\n<p>Zum gelben f\u00e4llt mir &ldquo;blumig&rdquo; ein, weil er irgendwie ein bisschen s\u00fcsslich duftet. Geschmacklich \u00e4hnlich unspannend wie der blaue und der wei\u00dfe.<\/p>\n<p>Bleiben also rot, schwarz und gr\u00fcn. Der rote ist super, ich wei\u00df noch nicht mal genau wie so. Nach intensivem Rumschn\u00fcffeln am Glas notiere ich &ldquo;Zedern&rdquo; auf meinem Zettel. Irgendwie hat der Wein eine holzige Note, was aber durchaus positiv ist. Der schwarze und der gr\u00fcne scheinen die Sorgenkinder der Runde&nbsp;zu sein, ich hingegen finde beide eigentlich ganz gut. Der gr\u00fcne schmeckt sehr frisch und leicht s\u00e4uerlich, der schwarze erinnert mich aus irgendeinem Grund an &ldquo;Zitronenlimonade&rdquo;, so steht es dann auf jeden Fall auf meinem Zettel.<\/p>\n<p>Es steht also fest, rot ist mein Favorit, dann folgt gr\u00fcn und dann schwarz. Und so langsam fangen auch alle an, sich zum Flipchart zu begeben und zu schreiben und zu kleben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung I\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1049_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung II\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1050_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung III\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1053_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung IV\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1059_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung V\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1063_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Bewertung fertig\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1064_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Als alle fertig sind, machen sich die Organisationsdamen daran, die W\u00f6rter einzutippen und die Punkte zu z\u00e4hlen. Nur einmal wird zum Entziffern nach hinten gebeten. Man h\u00e4tte &ldquo;altheistisch&rdquo; gelesen, und das k\u00f6nnte vermutlich nicht richtig sein.<\/p>\n<p>Wir trinken, essen und unterhalten uns also weiter, bis zum Ergebnis gebeten wird. <em>The results, they&nbsp;are in.<\/em><\/p>\n<p>Also zun\u00e4chst mal die Ergebnisse von neun der zw\u00f6lf teilnehmenden Gruppen. Die gro\u00dfe \u00dcberraschung ist, dass die Ergebnisse der einzelnen Convivien nicht die Bohne \u00e4hnlich sind. Der schwarze Wein, der bei uns so ph\u00e4nomenal verloren hat (3 Punkte) ist zum Beispiel in der Lausitz der Favorit gewesen und landet in der Gesamtwertung auf Platz 2. Der blaue hingegen hat nirgendwo so viele Punkte bekommen wie bei uns, wo er auf dem dritten Platz landete und wird in der Gesamtwertung vorletzter.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Ergebnis\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1077_small.jpg\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Vorlesen\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1078_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Geschm\u00e4cker sind also durchweg verschieden. Die Aufl\u00f6sung der Weine folgt dann auch direkt, wobei ich mir eh nichts mehr merken kann und von Anbaugebieten ja sowieso keine gro\u00dfe Ahnung habe.<\/p>\n<p>Der rote Wein, mein Favorit, kommt jedenfalls aus Sachsen, der gr\u00fcne Wein von der Mosel und der schwarze aus Baden. Wir erfahren auch, dass die Beschaffungsgeschichte des gr\u00fcnen Weins eine Geschichte voller Missverst\u00e4ndnisse war, die wohl auch letztlich dazu gef\u00fchrt hat, dass der Wein etwas vorschnell produziert wurde, was dann wohl auch die unreife Note erkl\u00e4rt, die bei diesem Wein im Gespr\u00e4ch war.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall macht so eine Blindverkostung gro\u00dfen Spa\u00df, denn man kann ja gar nicht anders als ohne Vorurteile an die Sache rangehen, wenn man nicht wei\u00df, was man gerade trinkt.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Mal gerne mit Rotwein, den mag ich sowieso lieber, aber so oder so: Super Organisation, ein spannender und sehr leckerer Abend, ich bin gerne wieder dabei.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" alt=\"Viele Gl\u00e4ser\" src=\"https:\/\/blog.anneschuessler.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/DSC_1082_small.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die Riesling-Blindverkostung fand im <a href=\"http:\/\/www.vinoresca.com\/\">Vinoresca<\/a> Weinladen in der Schwarzburgstra\u00dfe 69 in Frankfurt am Main statt und wurde vom <a href=\"http:\/\/www.slowfood.de\/\">Slow Food Convivium<\/a> Frankfurt organisiert.<\/p>\n<p>Berichte aus dem Ruhrgebiet gibt es <a href=\"http:\/\/www.derwesten.de\/staedte\/bochum\/geniesser-testen-riesling-id6417407.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/genussbereit.blogspot.com\/2012\/03\/slow-food-riesling-verkostung-der.html\">hier<\/a>, sowie einen weiteren aus Ingolstadt <a href=\"http:\/\/www.extraprimagood.de\/2012\/03\/01\/riesling-blindverkostung-gleichzeitig-deutschlandweit-slow-food-weinstammtisch\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich war bei einer deutschlandweiten Riesling-Blindverkostung der Slow Food Organisation. 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