Month: January 2016

Wiener Schnitzel im Lugeck in Wien

Wiener Küche im Lugeck

Wien! Das erste Mal in Wien! Allerdings berufsbedingt, was bedeutet, dass man quasi nichts von einer Stadt sieht, weil man ankommt, einen Termin hat, abends (was im Januar bedeutet: im Dunkeln) noch was essen geht und dann am nächsten Tag direkt wieder einen Termin hat. Aber: Wien!

Ein weitere Vorteil: Man wird von den Einheimischen, also in diesem Fall den österreichischen Kollegen zum Essen mitgenommen und die müssen sich auskennen und haben sich, weil mein Chef und ich ausdrücklich Wiener Küche wünschten, ins Lugeck geführt.

Das Lugeck gehört auch der Figlmüller-Familie, die mehrere Traditionsrestaurants in Wien hat. Das Lugeck ist der jüngste und moderne Zuwachs mitten in Wien, deswegen ist auch alles hell, offen und sieht auf den ersten Blick gar nicht mal so nach Wiener Traditionsküche aus. Ein Blick auf die Karte reicht aber um zu merken, dass dem nicht so ist. Suppe mit Frittaten, Tafelspitz und Wiener Schnitzel, zum Nachtisch Milchrahmstrudel oder Malakofftorte. Wenn ich nicht so dringend endlich mal Original Wiener Schnitzel in Wien essen wollen würden, die Entscheidung würde schwer fallen. So ist es Gott sei Dank sehr einfach.

Wiener Küche im Lugeck

Zum Aperitif bestellen die Kollegin und ich Schaumwein mit Quitte und Zimt, die beiden Kollegen bleiben beim österreichischen Bier. Wir bestellen Schnitzel für alle, das hier mit Erdäpfel-Vogerl-Salat kommt. Gott sei Dank spreche ich kulinarisch in fast allen Sprachen und weiß sowohl, dass Erdäpfel Kartoffeln (einfach) und Vogerlsalat Feldsalat (nicht ganz so einfach) ist. (Was ich sonst unter anderem noch kenne: Paradeiser, Palatschinke, Schlagobers und Marillen und ja, ich gebe gerne damit an.)

Der Aperitif klingt nicht nur super, sondern schmeckt auch so, den Zimt schmeckt man weniger raus, dafür riecht es fast wie Apfelstrudel. Muss man sich merken und zu Hause nachbasteln, das kann ja nicht so schwer sein.

Dann kommt das Schnitzel, stilecht aus Kalbfleisch mit welliger Panade, dazu der Salat und Preiselbeeren. Dazu nehme ich noch eine Weißwein-Cuvée “Wiener Melange” von Fiona Figlmüller aus Grünem Veltliner, Riesling, Gemischtem Satz und Traminer, den ich mir sofort auch im Sechserkarton mit nach Hause nehmen würde, so schön frisch ist er. (Das Etikett ziert im Übrigen ein Heißluftballon, da kann man sich schon ein bisschen verlieben.)

Wiener Küche im Lugeck

Zurück zum Schnitzel: Toll ist das. Wunderbar zart mit einer Panade, die vom Fleisch quasi abfällt, dazu ein toller Kartoffel… Pardon Erdäpferlsalat, den ich so gut selten gegessen habe und passend dazu ein Töpfchen mit Preiselbeeren. Natürlich weiß ich, dass ein Wiener Schnitzel ein Klassiker ist, aber wieso das völlig zu Recht so ist, wird mir erst jetzt richtig bewusst.

Die Portion ist übrigens sehr ordentlich, ich bin pappsatt, mag aber kaum aufhören, weil alles so lecker ist und futtere weiter fleißig Schnitzel. Nach dem Wein bestelle ich ein Marillen-Kracherln, also eine Aprikosenschorle, die mich einen Tag später in tiefe Traurigkeit stößt, weil sie in Deutschland kaum aufzutreiben zu sein scheint. Mehr Marillen-Kracherl in Deutschland! Vor allem, wenn Sie so wunderbare Namen wie “Herr Frischend” haben, übrigens auch eine Marke der Figlmüller-Group.

Wiener Küche im Lugeck

Der Bauch ist zwar eigentlich schon voll, Nachtisch muss aber noch, ich bin immerhin in Wien. Aus Angst vor Rosinen im Essen nehme ich die Malakofftorte mit Marillenröster. Malakofftorte, so erklärt die Kollegin, ist ein bisschen wie Tiramisu, nur anders und das stimmt auch. Löffelbiskuits mit einer Crème dazwischen, dazu süßsauerfruchtiges Aprikosenkompott. Man muss mich gleich ins Hotel rollen, aber das war es wert.

Wiener Küche im Lugeck

Es gab nichts zu meckern im Lugeck, ich würde jederzeit wieder und mich dann in Ruhe einmal quer durch die Karte futtern. Auch die wechselnde Spezialitätenkarte klingt verführerisch, da gibt es noch viel zu entdecken.

Wer also nur kurz in Wien ist und zu diesem Anlass ganz klassische Wiener Küche haben will, der kann getrost im Lugeck (und Gerüchten zufolge auch in die anderen Figlmüller-Restaurants) einkehren. Und ich könnte jetzt eigentlich auch mal wieder.

Wiener Küche im Lugeck

Lugeck
Lugeck 4
1010 Wien
Tel: +43 1 512 50 60
www.lugeck.com
info@lugeck.com

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Endlich Poutine! Im Frittenwerk in Düsseldorf

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Seit ich in dieser Episode von My Drunk Kitchen gesehen habe, dass es in Kanada ein Gericht namens Poutine gibt, dass aus Pommes Frites, Bratensoße und Käsestückchen besteht, möchte ich das essen. Das ist im Übrigen schon ein paar Jahre her, ich hätte theoretisch zwei bis drei Mal Urlaub in Kanada machen können, aber dazu ist es nie gekommen. Statt dessen suchte ich immer wieder nach Möglichkeiten, Poutine auch in Deutschland zu finden.

In München bin ich damals gescheitert, in Berlin stand ich vor verschlossenen Türen, weil die dort ansässige Poutinemanufaktur, der Frittiersalon montags geschlossen hatte. Jetzt aber endlich: Poutine gibt es auch in Düsseldorf! Nur 30 Kilometer von Essen, um die Ecke quasi. Ich werde nicht mehr meine Wochenendreisen nach Poutineverfügbarkeit planen müssen.

Als wir sowieso aus anderem Anlass in Düsseldorf sind, kann ich meinen Mann zu einem Ausflug ins Frittenwerk nach Bilk überreden. Nach einer gewohnt katastrophalen, aber immerhin überraschend erfolgreichen Parkplatzsuche finden wir uns im Frittenwerk ein. Hier gibt es im Wesentlichen verschiedene Poutine- und Frittenvariationen, eine Handvoll weiterer Snacks (Frikadellen, Currywurst, usw.), ein paar Salate und das war’s dann auch schon fast. Ich bin so aufgeregt!

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Natürlich bestelle ich die klassische Poutine, mein Mann nimmt das Frittenwerk Spezial mit Bratwurst und Currysoße. Dazu einmal Cole Slaw, ein Crew Republic für meinen Mann und eine Weinschorle Sechzisch Vierzisch für mich. Wenn schon Hipsteressen, dann richtig. Das Bestellen und Bezahlen geschieht in einem, die Getränke nimmt man sich selber aus dem Kühlschrank und kann dann mit seinem Bon an der nächsten Station das Essen abholen. Das hier ist kein Restaurant für einen gemütlichen Abend, sicher, aber das kann man sich ja schon denken.

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Klassische Poutine wird mit sogenannten Cheese Curds gemacht, auf deutsch wohl am ehesten mit Käsebruch zu übersetzen, einem Produkt, dass man hierzulande kaum bekommt. Als Alternative wird die Poutine im Frittenwerk mit Mozzarella gemacht, was dem Original wohl recht nahe kommt. Beurteilen können werde ich das erst, wenn ich auch mal eine Variante mit richtige Cheese Curds probiert habe. Auch inwiefern die Bratensoße dem entspricht, was man in Montréal oder Québec bekommen würde, kann ich kaum beurteilen. Auf den Instagrambildern meiner Freundin Winnie, die in Montréal lebt, meine ich immer noch kleine Fleischfasern zu sehen, im Frittenwerk bekommt man wirklich nur Soße.

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Trotzdem bin ich begeistert. Es ist natürlich kein Gourmetgericht. Im Gegenteil, Poutine spricht quasi sämtliche niederen Fastfood-Instinkte an, die ich aufbringen kann. Es ist salzig und fettig, knusprige Fritten zusammen mit Fäden ziehendem Käse. Man kann dieses Essen nicht schön reden, aber es ist wirklich grandioses Soulfood-Fastfood at its best. Während ich schwelge, ist mein Mann mit seiner Wahl eher mittelzufrieden. Alles nicht schlecht, aber eben auch anderswo besser zu haben. (Nach wie vor ist unser Problem, dass wir eine der besten Currywurstbuden direkt um die Ecke haben und dementsprechend quasi zwangsläufig von jeder Currywurst, die wir anderswo essen, enttäuscht sind.) Ich sage, er hätte eben auch Poutine nehmen sollen und er stimmt zu. Der Cole Slaw ist ebenfalls sehr ordentlich, schön durchgezogen, genauso wie ich es mag.

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Am Ende nehmen wir noch zwei Flaschen Crew Republic mit nach Hause. Würde ich öfter in Düsseldorf sein, dann sähe man mich im Frittenwerk sicher regelmäßig. Auch der Service war freundlich und hilfsbereit, es gibt also keinen Grund, das Frittenwerk nicht zu empfehlen.

Poutine im Frittenwerk Düsseldorf

Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: In Kürze eröffnet eine zweite Filiale des Frittenwerks in der Ehrenstraße in Köln. Vielleicht gibt es auch für das Ruhrgebiet noch Hoffnung. Es wird, es wird!

Frittenwerk
Friedrichstr. 145
40217 Düsseldorf
Tel: 0211 – 971 74 369
www.frittenwerk.com
info@frittenwerk.de

Öffnungszeiten: Mo. – Sa.: 11:30 Uhr bis 22:00 Uhr, So. und Feiertag geschlossen

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