Month: March 2012

Kurzkritik: miamamia auf der Rü, Essen

Miamamia

Gestern war ich bei wunderbarstem Frühlingswetter mit dem besten Freund im miamamia auf der Rüttenscheider Straße. Um genau zu sein, waren wir im zweiten miamamia, also dem am Rüttenscheider Stern. Das erste ist ja noch ein Stück weiter die Straße runter, das Angebot ist meines Wissens aber mehr oder weniger das gleiche.

Miamamia

Zum Auftakt gab es Prosecco mit Minze und Sirup (Holunder? Ich hab’s vergessen…) und dann einen leckeren Antipastiteller mit knusprigem Landbrot. Im miamamia muss man direkt an der Kasse bestellen, das Angebot steht auf großen Tafeln, Karten gibt’s keine. Hauptsächlich gibt es riesige belegte Brote, Salate, Kuchen und kleine Desserts. Vieles kann man auch zum Mitnehmen bestellen.

Miamamia

Der Antipastiteller in der kleinen Ausführung bestand aus etwas Aufschnitt (besonders lecker: die scharfe Salami), Fetakäse, eingelegtem Gemüse, Tomate mit Mozzarella und einer mit einer Creme gefüllten Tomate. Dazu gab’s zwei gigantische Scheiben Brot.

Das eingelegte Gemüse hätten etwas würziger sein können, dafür wurde der Teller optisch mit etwas Salat aufgebauscht, generell war’s aber lecker.

Miamamia

Miamamia

Zum Nachtisch mussten wir dann noch die angeblich leckerste Tiramisu der Stadt probieren, so jedenfalls stand es auf dem Schildchen in der Auslage. Serviert wird die Tiramisu in kleinen Weckgläsern, überzogen mit Schokolade. Ob es wirklich die allerleckerste Tiramisu der ganzen Stadt ist, kann ich mangels Vergleich nicht entscheiden, aber es bestand Einigkeit darüber, dass es wirklich eine verdammt leckere Tiramisu war. Das Verhältnis zwischen Mascarponecreme und Löffelbiskuits war optimal und die Creme dazu auch noch sehr fluffig. Dazu der tolle Schokoladenüberzug. Mjam.

Miamamia

Ich sollte öfters ins miamamia gehen. Auch die Kuchenauslage ist sehr ansprechend, dazu gibt es noch Biscotti und anderes italienisches Kleingebäck. Wenn man Glück hat, erwischt man einen Platz draußen vor dem Café, ansonsten ist es aber auch drinnen sehr hübsch. Und demnächst trau ich mich dann auch mal an so ein Riesen-Butterbrot. Man muss ja auch mal was wagen.

Miamamia

miamamia
Rüttenscheider Straße 74a
45130 Essen
Telefon: 0201/874 226 90

http://www.miamamia.de/

Öffnungszeiten: Mo – So: 9 – 22 Uhr

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Amerikanische Pfannkuchen

Pfannkuchenstapel

Unser Lieblings-Glücklichmach-Frühstück: Amerikanische Pfannkuchen mit Ahornsirup und knusprigem Bacon. Wer einmal verstanden hat, wie einfach es ist, die selbst zu machen, braucht auch sicher keine Backmischung mehr.

Ich habe lange an dem Rezept rumgefeilt, bis ich endlich die ultimative Kombination und Herangehensweise gefunden habe. Das Schöne ist, dass man kaum besondere Zutaten braucht und auch keine Waage. Dementsprechend weiß ich allerdings auch nicht genau, wieviel Mehl reinkommt, es ist aber nicht wirklich viel, mit 50 bis 100 Gramm sollte man für zwei Personen auskommen. Der Teig sollte schön dickflüssig sein, mit ein bisschen Gefühl kriegt man das locker ohne genaue Gewichtsangaben hin.

Drei wesentliche Dinge gilt es zu beachten:

  1. Das Ei mit Zucker und Salz wirklich schön schaumig schlagen, das kann auch mal ein paar Minütchen dauern.
  2. Unbedingt Buttermilch und Backpulver verwenden.
  3. Nachher den Teig immer nur kurz verrühren, bis sich die Zutaten gut verbunden haben und dann den Teig noch mal 15 Minuten ziehen lassen. Dann sieht man auch schon, wie sich kleine Bläschen bilden und das soll auch so sein.

Ansonsten ist das Rezept wirklich supereinfach. Und ich hab immerhin lang genug daran herumgetüftelt, als dass ich das guten Gewissens behaupten könnte.

Pfannkuchen

Amerikanische Pfannkuchen
(für 2 Frühstücker)

Für die Pfannkuchen:
1 Ei
1 El Zucker
1 Prise Salz
250 ml Buttermilch
Mehl
1 gehäufter Tl Backpulver
1 gutes Stück (1 bis 2 El) Butter

Butter zum Braten

Zum Servieren:
Butter, Schmand, Ahornsirup, gebratener Bacon

1. Ei mit Zucker und Salz mit dem Handrührgerät in ein paar Minuten schön hell und sehr schaumig schlagen.

2. Buttermilch dazugeben und kurz weiterrühren.

3. Mehl und Backpulver dazugeben, bis ein dickflüssiger Teig entsteht. Butter schmelzen und kurz unterrühren. Teig eine Viertelstunde stehen lassen.

4. Ofen zum Warmhalten auf niedrigster Stufe anstellen. In einer Pfanne Butter zerlassen und in kleinen Portionen Pfannkuchen backen. Dazu eine Kelle Teig in die Pfanne geben und backen lassen, bis sich oben Blasen bilden. Pfannkuchen wenden und kurz auf der anderen Seite goldbraun backen. Den fertigen Pfannkuchen zum Warmhalten in den Ofen befördern.

5. Pfannkuchen nach Geschmack mit Butter, Schmand und/oder Ahornsirup servieren. Dazu leckeren knusprigen Bacon. Fertig ist das Glücklichmachfrühstück.

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Wasabi: Sushi in Essen-City

Wasabi

Japanische Restaurants sind im Ruhrgebiet eher rar gesät. Das ist hart, wenn man das Angebot aus Städten wie Köln, Frankfurt oder Düsseldorf gewohnt ist. Gerade Düsseldorf mit dem japanischen Viertel, da ist man schon ein bisschen verwöhnt.

In Essen kannte ich bisher nur das Miga Sushi in der Rüttenscheider Straße und den Sushi-Imbiss am Limbecker Platz (der im Übrigen auch recht gut ist). Tatsächlich scheint Bochum so ein bisschen die Sushi-Hochburg des Ruhrgebiets zu sein, warum auch immer.

Dank Foodspotting habe ich aber die Adresse eines weiteren Sushi-Restaurants in Essen gefunden, und der war sogar mitten in der Stadt. Am Flachsmarkt, um genauer zu sein, einer etwas ungünstigeren Ecke, jedenfalls, wenn man wie wir immer sehr verlässlich an der Mayerschen Buchhandlung abbiegt, und das nördliche Ende der Fußgängerzone kaum kennt.

Tische

Zeug

Im Wasabi also gibt es sogar ein Laufband. Wie man auf den Bildern sehen kann, ist das Laufband zwar nicht “vollbesetzt”, aber es wurde immer wieder nachgelegt, und das sogar recht abwechslungsreich. Da das Restaurant bei unserem Besuch auch nicht gerade voll war, passte die Menge schon, und man muss sich auch nicht fragen, wie lange die Tellerchen wohl schon ihre Runden drehen.

Laufband

Mehr Zeug

Das Restaurant war schön eingerichtet, in dunkleren Rot-, Grün- und Brauntönen, mit hübschen Schälchen und Holztöpfchen für den eingelegten Ingwer. Vom Laufband nehmen wir Tellerchen auf Tellerchen, ein bisschen Maki, ein bisschen California Rolls, ein paar Nigiris. Alles in ordentlicher Qualität und gutem Reis-Fisch-Verhältnis.

Sushi

Mehr Sushi

Wie bei Laufband-Sushi üblich kann man auch Einzelbestellungen aufgeben, also einmal Unagi (gebratener Aal mit Spazielsoße), einmal Seeaal (hatten wir noch nie) und natürlich Maguro (Thunfisch). Wie fast erwartet ist Seeaal dann aber doch aus, der Rest wird aber gebastelt und dann mit aufs Band gestellt, so dass wir es dann selbst runterpflücken können und so das Sushi-Essen erfolgreich abschließen können.

Teller

Wer die Sushi-Läden anderer Städte gewohnt ist, der ist vom Laufband-Durchsatz im Wasabi vielleicht ein bisschen enttäuscht, sollte sich aber nicht abschrecken lassen. Das Sushi ist gut, das Restaurant hübsch und sogar recht gemütlich und die Lage eigentlich ziemlich gut. Wenn man dann eben nicht an der Mayerschen abbiegt.

Wenn wir beim nächsten Shopping-Spaziergang mal wieder Hunger auf Sushi haben, dann wissen wir auf jeden Fall, wo wir auch hingehen können.

Deko

Wasabi – Sushi und Nudeln
Flachsmarkt 9
45127 Essen
Telefon: 0201/63 24 985

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Tarte Tatin (ganz klassisch)

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Gestern Abend gab es endlich mal wieder selbstgemachte Tarte Tatin. Und zwar ganz klassisch mit Äpfeln. Tarte Tatin ist möglicherweise der beste Kuchen der Welt und interessanterweise auch gar nicht so schwer. Als der Mann dann abends nach Hause kam, roch es lecker nach Teig und Äpfeln, was will man mehr?

Zunächst musste aber erstmal ein Rezept gefunden werden. Wer wie ich im Besitz deutlich zu vieler Kochbücher und -zeitschriften ist, der hat nicht zwingend ein Problem damit, ein Rezept für Tarte Tatin zu finden, das Problem besteht eher darin, sich für eines zu entscheiden.

Was ich grundsätzlich ablehne ist Tarte Tatin mit Blätterteig. Da können mir die Leute noch so oft mit “Geht aber ganz schnell und ist total praktisch” kommen, Blätterteig ist prinzipiell zu vermeiden und es ist nun auch nicht so, als ob die Herstellung von Mürbeteig zu den großen Küchenherausforderungen gehören würde. Blätterteig geht also gar nicht. Ähnlich halte ich es für eine Fehlrichtung, die Äpfel zu vierteln oder gar zu achteln. Da gehören Apfelhälften drauf, maximal darf man nachher größerer Lücken mit passenden kleineren Apfelstücken noch dicht machen.

Rezepte

Rezept

Letztlich habe ich mich für einen Kompromiss entschieden. Den Teig habe ich entsprechend dem Rezept in der Lecker 09/09 gemacht, den Belag hingegen habe ich aus dem aktuellen Lecker-Sonderheft “Bakery” genommen, hauptsächlich, weil Ahornsirup drin vorkam, was ich für eine sehr brauchbare Variation halte. Die komischen Brösel, die man auch auf dem Rezept sehen kann, hab ich zwar auch gemacht, nachher aber als sinnlosen Zusatz wieder verworfen.

KitchenAid

In solchen Momenten liebe ich meine KitchenAid von ganzem Herzen. Dieses Mal musste ich eigentlich kaum mehr tun als die Zutaten zusammen in die Rührschüssel geben und die Maschine hat alles selbst gemacht, bis ich wirklich einen schönen glatten Teig hatte, den ich nur noch einmal “schön formen” und in Frischhaltefolie packen musste.

Teig in Form

Kuchen in Ofen

Und ja, ich besitze nicht nur eine KitchenAid, sondern auch eine Tarte-Tatin-Form. Welch grandiose, selten-sinnlose Anschaffung! Vor allem, wenn man bedenkt, dass ich geschätzt alle anderthalb Jahre einmal Tarte Tatin mache. Aber wenn, dann ist es natürlich super, eine Form zu haben, die von der Größe genau passt, auf die Herdplatte und in den Ofen darf und praktische Henkel zum Stürzen hat.

Die Tarte Tatin gab es dann jedenfalls zum Münsteraner Tatort, mit aufgeschlagener Sahne und Kaffee und Kakao. Und für heute Abend ist auch noch was übrig, hurra!

Tarte

Tarte Tatin

Für den Teig:
200 g Mehl
3 El Puderzucker
1 Prise Salz
100 g kalte Butter
1 Ei

Für den “Belag”:
6 kleine Äpfel
70 g Zucker
3 El Ahornsirup
30 g Butter

1. Mehl, Puderzucker, Salz, Butter in Stücken, das Ei und zwei El eiskaltes Wasser zu einem glatten Teig verkneten. (Alternativ von der KitchenAid erledigen lassen.) Zu einer Kugel formen und im Kühlschrank mindestens 30 Minuten kalt stellen.

2. Ofen auf 220 Grad (Umluft: 200 Grad) vorheizen. Äpfel schälen, Kerngehäuse entfernen und halbieren.

3. In der Zwischenzeit den Zucker mit dem Ahornsirup in einer Tarte-Tatin-Form (alternativ gehen auch jegliche Arten von Pfannen, die groß genug sind und die man nachher in den Ofen stellen kann) karamellisieren. Die Butter zugeben und schmelzen.

4. Apfelhälften mit der gewölbten Seite nach unten in die Form legen, dabei möglichst wenig Platz dazwischen lassen (ich habe zum Schluss noch kleinere Stücke in die Lücken gesteckt). 5 Minuten mitbraten lassen, dann von der Platte nehmen.

5. Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen und auf die Größe der Form ausrollen. Auf die Äpfel legen und am Rand ein wenig nach unten drücken und ein paar Mal mit einer Gabel einstechen. Das Ganze in den Ofen und ca. 25 Minuten backen.

6. Aus dem Ofen nehmen, 5 Minuten auskühlen lassen und dann auf eine Tortenplatte (alternativ großer, flacher Teller) stürzen. Warm oder kalt mit Vanilleeis oder halbgeschlagener Sahne servieren. Miam.

Fertig

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Jankas Lokal und Biergarten in Dortmund

Jankas Lokal & Biergarten

Ich bin ja Janka-Fan. Das fing damit an, dass Janka Thiemann auf der GourmeDo 2011 auf dem Dortmunder Friedensplatz als Gastköchin am Stand eines anderen Restaurants das mit Abstand beste Essen servierte. Auch dem Mann war sofort klar: Müssen wir uns merken, da müssen wir nämlich unbedingt hin.

Schon beim ersten Mal waren wir begeistert. Janka Thiemann serviert bodenständige französische Bistro-Küche. Die Karte wechselt wöchentlich und zwar mehr oder weniger komplett, es lohnt sich also, gelegentlich mal im Internet nachzusehen, was es denn diese Woche gibt.

Und weil wir ja eh schon in Dortmund waren (siehe hier), haben wir dann auch noch schnell einen Abstecher in den Dortmunder Norden gemacht, um mal wieder in Jankas Lokal vorbeizuschauen.

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal liegt etwas versteckt in der Braunschweiger Straße, und man bekommt direkt den Charme eines französischen Bistros zu spüren. Karierte rote Deckchen auf den Tischen, Kerzen und Blumen. An der Wand hängt (ebenfalls wechselnde) Kunst und im Hintergrund läuft durchgehend französische Musik. Hach. Schön.

Da die Karte recht übersichtlich ist, haben wir uns schnell entschieden. Zur Vorspeise die Dordogner Creme mit Brot, dann einmal Kalbstafelspitz mit Bouillonkartoffeln und Wurzelgemüse und einmal das Fondue Fermé und Forêt mit Aprikosenaioli und Polenta.

Zunächst kommt aber der Gruß aus der Küche: Rote Bete und Apfel mit Matjestatar. Und selbst ich, die immer noch unschlüssig ist, was Rote Bete angeht und auch keinen großen Hang zu Matjes und Konsorten hat, muss sagen: Wirklich, wirklich lecker.

Während wir noch mit dem Küchengruß beschäftigt sind, wird auch schon die Dordogner Creme gebracht, eine Walnusscreme, wie wir schon vorher erfragt haben. Auch die ist richtig lecker, auch wenn man vielleicht nicht ganz so viel Brot dazupacken sollte. (Luxusprobleme, ich weiß.)

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal & Biergarten

Während ich mich für einen Rotwein entschieden habe, hat der Mann, der die Woche noch krank im Bett lag, den “Kanada Aktiv” bestellt, ein unglaublich tolles Getränk, das aus Zitronenlimonade, Ahornsirup und Chilipulver besteht, also genau das richtige zum Wieder-Fit-Werden.

Jankas Lokal & Biergarten

Dann kommen die Hauptgerichte, das Fondue-Fleisch für mich und den Kalbstafelspitz für den Mann. Die Aprikosenaioli ist schon mal super, die Polenta für mich fast ein bisschen zu klebrig (wobei ich gerade bei Polenta nie so richtig weiß, ob das möglicherweise einfach so soll). Zwar wurde uns erklärt, was an Fleisch auf dem Teller liegt (vom Land und aus dem Wald eben), aber ich habe wohl nicht zugehört. Geraten sind es ein bisschen was vom Schwein, ein kleines Lammhack-Röllchen (sehr lecker) und etwas Geflügeliges. Alles sehr gut, zusätzlich noch mit etwas Möhren und Schalotten.

Die Polenta würde ich gerne gegen die Bouillon-Kartoffeln des Mannes eintauschen und dementsprechend stibitze ich da auch ein paar vom Teller. Auch er ist hochzufrieden mit dem, was auf dem Teller ist.

Leider ist es auch zu viel und wir müssen die Teller noch zumindest viertelvoll zurückgeben. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt, und wie wir erfahren, waren in der Woche wohl schon ausreichend gute Esser da, die diese Teller ratzeputz geleert haben. Liegt also vielleicht doch an uns.

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal & Biergarten

Zum Nachtisch gibt es Mokkacreme mit Pistazienfudge und Mousse au semoule (also Grießmousse, wenn mein Französisch mich hier nicht im Stich lässt) mit Zwetschgenröster. Für den Mann ist damit die Entscheidung automatisch getroffen, denn er reagiert auf Zwetschgenröster ähnlich pawlowsch wie ich auf Linsen oder Himbeeren. Wenn das dabei ist, muss es probiert werden.

Auch hier sind die Teller mit zusätzlich viel Sahne gut gefüllt, so dass ich etwas von der Mokkacreme übrig lassen muss, aber das ist auch die einzige Beschwerde. Meinetwegen muss auch keine Sahne, aber ich weiß aus Erfahrung, dass da die Präferenzen sehr unterschiedlich sind – und der Mann lässt auch kein Fitzelchen übrig, weder vom Grießmousse, noch von den Zwetschgen, noch von der Sahne.

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal & Biergarten

Mit vollen Bäuchen sitzen wir also noch ein bisschen glückselig rum, trinken Minztee und “Kanada Aktiv” und machen uns schließlich wieder auf den Weg nach Hause.

Schade, dass Jankas Lokal nicht bei uns um die Ecke ist, sonst wären wir sicher öfter da. Aber vielleicht ist das auch gut so, denn so bleibt es etwas Besonderes und wir lassen uns gerne von der kleinen Wochenkarte überraschen. Es ist alles so schön bodenständig und unaufgeregt, das Lokal, die Mitarbeiter und das Essen. Und eben auch sehr lecker.

Jeden dritten Sonntag im Monat gibt es auch ein “Monatsmenü”, für das man aber schnell reservieren sollte. Das für März ist schon ausverkauft. Was es geben würde, wenn man eine Reservierung ergattert hätte, das kann man auch auf der Webseite nachlesen.

Jankas Lokal & Biergarten

Jankas Lokal und Biergarten
Braunschweiger Straße 22
44145 Dortmund
Telefon: 0231/84 04 606

http://www.jankas-lokal.de/

Öffnungszeiten: Di – Sa: 18 – 23 Uhr

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Deutschlandweite Riesling-Blindverkostung

Voll

Ich war bei einer deutschlandweiten Riesling-Blindverkostung der Slow Food Organisation. Erstens habe ich sowas noch nie gemacht und zweitens klang es schon in der Beschreibung sehr interessant. Deutschlandweit am gleichen Abend, und die Ergebnisse werden dann übers Internet gesammelt und verglichen. Da bin ich doch dabei.

Am 29.2. machte ich mich dann auf ins Frankfurter Nordend. Vorher noch schnell sechs Weingläser kaufen, die hatte ich nämlich nicht. Jacques’ Wein-Depot hat dagegen Sechsersets mit den genormten Probiergläsern für 12 Euro, also noch schnell einen Abstecher dahin, Gläser kaufen und weiter.

Jacques

In der Vinoresca Weinboutique ist schon alles aufgebaut, eng stehen die Stühle am Tisch nebeneinander, denn so groß ist es hier nicht, an jedem Platz liegen schon Papier zum Schreiben, Sterne zum Weinglasmarkieren und Punkte zum Kleben. Außerdem Wasser (nie verkehrt).

Ich bringe meinen Mantel und die Tasche weg, dann spüle ich noch schnell die fabrikneuen Gläser durch und dann setze mich einfach mal irgendwo hin und bastele die Sternchen an meine Gläser.

Kerzen

Blumen

Wein

Mehr Wein

So langsam trudeln auch die letzten Teilnehmer ein. Siebzehn sind es insgesamt und vom Gefühl her würde ich behaupten, lediglich vier davon (einschließlich mir) haben nicht direkt was mit dem Slow-Food-Verein oder der Weinboutique zu tun.

Alle packen ihre Gläser aus, so dass zum Schluss gute hundert Weingläser auf dem Tisch stehen. Und während noch Neuigkeiten ausgetauscht werden und geprüft wird, ob jetzt wirklich alle da sind, werden die Weinflaschen schon mal präpariert. Es ist schließlich eine Blindverkostung.

Material I

Gläser

Uhren

An den Uhren steht im Übrigen nicht Berlin, New York oder Tokyo, sondern Napa Valley, Mendoza, Rheingau und Hunter Valley, damit man auch immer weiß, ob die Winzer wach sind oder nicht. Mit einer kleinen Verspätung geht es um 19:45 los, es wird noch mal der Verlauf des Abends erklärt. Die Weine sind farblich gekennzeichnet, die Etiketten hübsch mit Paketklebeband abgeklebt und wer an der Flasche erkennt, wo der Wein her ist, der soll bitteschön den Mund halten und nichts verraten. Zu jedem Wein sollen wir uns ein Wort einfallen lassen, das den Wein beschreibt und jeder hat 6 Punkte zum Verteilen. Ob man einem Wein sechs Punkte gibt oder allen sechs je einen (“Wenn jetzt alle gleich schlecht sind”, wird gescherzt), oder irgendwas dazwischen, darf jeder selbst entscheiden.

Es gibt einen Einstiegsaperitif, den man weder beschreiben noch bepunkten braucht. Und dann geht’s aber wirklich los.

Einleitung

Sekt

Weinflaschen werden rumgereicht, mal linksrum, mal rechtsrum. Bei siebzehn Leuten muss dann auch jeweils direkt eine zweite Flasche von jeder Farbe rausgeholt werden und es gibt immer wieder ein bisschen Verwirrung, welcher Wein jetzt zu welchem Stern gehört (gelb zu orange, rot zu rosa und schwarz zu grau).

Ich schnuppere direkt mal testweise. Bei ein paar Weinen rieche ich schon was, andere bleiben tendenziell geruchsneutral und ich ahne, das wird schwieriger als ich dachte.

Eingießen I

Eingießen II

Zögernd mache ich die ersten Versuche, assoziativ tätig zu werden. Der weiße Wein riecht nach nichts und schmeckt irgendwie auch nach nichts. Ich schreibe “neutral” hin, was soll man dazu sonst auch sagen? Er schmeckt ja noch nicht mal schlecht, nur eben irgendwie nach nichts.

Nebenbei gehen die Diskussion los. Zu dem grünen Wein, der tatsächlich einen sehr auffälligen Geruch hat, fällt auf einmal das Wort “Katzenpisse” und wenn man das einmal gehört hat, kriegt man es schwer wieder aus dem Kopf. Tatsächlich riecht der Wein irgendwie grasig, neben mir assoziiert man “Grüntee”. Ich entscheide mich schlussendlich für “Grapefruit”.

Essen

Tisch

Zu Essen gibt es im Übrigen auch was. Im Raum nebenan ist ein kleines Büffet mit Brot, Käse, Wurst und einem großen Topf Suppe aufgebaut, das dann auch schnell geplündert wird. Zum einen wegen Hunger, zum anderen, weil man ja auch etwas zum neutralisieren braucht. Und, wie ebenfalls vorgeschlagen wird, man könnte ja auch die Weine in Kombination mit dem Essen probieren, und gucken, ob sie dann anders wirken.

Bei mir tun sie das tatsächlich, aber auf eine wenig hilfreiche Art und Weise. Auf einmal schmecken Weine nach Wurst und Käse, was aber wohl weniger am Wein liegt als an dem, was ich vorher gegessen habe. Also immer schön mit Brot neutralisieren und gelegentlich mal nachschenken.

So langsam kristallisieren sich bei mir die Kandidaten raus, denen ich Punkte geben werde. Der weiße, gelbe und blaue Wein fallen raus. Nicht, weil sie schlecht wären, sondern, weil sie schlichtweg irgendwie alle gleich nichtssagend schmecken. Der blaue Wein scheint aber bei anderen Mitverkostern sehr gut anzukommen, meine Assoziation ist “Weißwein”. Sieht aus wie ein Weißwein, schmeckt wie ein Weißwein, riecht wie ein Weißwein. Nicht besonders aussagekräftig, aber was soll man machen.

Zum gelben fällt mir “blumig” ein, weil er irgendwie ein bisschen süsslich duftet. Geschmacklich ähnlich unspannend wie der blaue und der weiße.

Bleiben also rot, schwarz und grün. Der rote ist super, ich weiß noch nicht mal genau wie so. Nach intensivem Rumschnüffeln am Glas notiere ich “Zedern” auf meinem Zettel. Irgendwie hat der Wein eine holzige Note, was aber durchaus positiv ist. Der schwarze und der grüne scheinen die Sorgenkinder der Runde zu sein, ich hingegen finde beide eigentlich ganz gut. Der grüne schmeckt sehr frisch und leicht säuerlich, der schwarze erinnert mich aus irgendeinem Grund an “Zitronenlimonade”, so steht es dann auf jeden Fall auf meinem Zettel.

Es steht also fest, rot ist mein Favorit, dann folgt grün und dann schwarz. Und so langsam fangen auch alle an, sich zum Flipchart zu begeben und zu schreiben und zu kleben.

Bewertung I

Bewertung II

Bewertung III

Bewertung IV

Bewertung V

Bewertung fertig

Als alle fertig sind, machen sich die Organisationsdamen daran, die Wörter einzutippen und die Punkte zu zählen. Nur einmal wird zum Entziffern nach hinten gebeten. Man hätte “altheistisch” gelesen, und das könnte vermutlich nicht richtig sein.

Wir trinken, essen und unterhalten uns also weiter, bis zum Ergebnis gebeten wird. The results, they are in.

Also zunächst mal die Ergebnisse von neun der zwölf teilnehmenden Gruppen. Die große Überraschung ist, dass die Ergebnisse der einzelnen Convivien nicht die Bohne ähnlich sind. Der schwarze Wein, der bei uns so phänomenal verloren hat (3 Punkte) ist zum Beispiel in der Lausitz der Favorit gewesen und landet in der Gesamtwertung auf Platz 2. Der blaue hingegen hat nirgendwo so viele Punkte bekommen wie bei uns, wo er auf dem dritten Platz landete und wird in der Gesamtwertung vorletzter.

Ergebnis

Vorlesen

Die Geschmäcker sind also durchweg verschieden. Die Auflösung der Weine folgt dann auch direkt, wobei ich mir eh nichts mehr merken kann und von Anbaugebieten ja sowieso keine große Ahnung habe.

Der rote Wein, mein Favorit, kommt jedenfalls aus Sachsen, der grüne Wein von der Mosel und der schwarze aus Baden. Wir erfahren auch, dass die Beschaffungsgeschichte des grünen Weins eine Geschichte voller Missverständnisse war, die wohl auch letztlich dazu geführt hat, dass der Wein etwas vorschnell produziert wurde, was dann wohl auch die unreife Note erklärt, die bei diesem Wein im Gespräch war.

Auf jeden Fall macht so eine Blindverkostung großen Spaß, denn man kann ja gar nicht anders als ohne Vorurteile an die Sache rangehen, wenn man nicht weiß, was man gerade trinkt.

Das nächste Mal gerne mit Rotwein, den mag ich sowieso lieber, aber so oder so: Super Organisation, ein spannender und sehr leckerer Abend, ich bin gerne wieder dabei.

Viele Gläser

Die Riesling-Blindverkostung fand im Vinoresca Weinladen in der Schwarzburgstraße 69 in Frankfurt am Main statt und wurde vom Slow Food Convivium Frankfurt organisiert.

Berichte aus dem Ruhrgebiet gibt es hier und hier, sowie einen weiteren aus Ingolstadt hier.

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